🎙️ Mentoren Media Verlags Talk Interview mit Lea Söhner
Shownotes
Aufgenommen auf der Frankfurter Buchmesse 2025
In dieser Episode des Mentoren Media Verlags Talks spricht Volker mit der Autorin Lea Söhner über ihren Roman Wie sehr ich dich finde. Das Gespräch wurde auf der Frankfurter Buchmesse 2025 aufgezeichnet und führt mitten hinein in die Themen Erinnerung, Familie und die Frage, wie Vergangenheit unser heutiges Leben prägt.
Lea Söhner erzählt von der Entstehung ihres Romans, der sich über mehrere Generationen spannt und zeigt, wie Schuld, Schweigen und Verlust weiterwirken – und was es bedeutet, sich diesen Geschichten schreibend zu nähern. Im Interview geht es um literarische Verantwortung, um Nähe und Distanz zu den Figuren und um das Schreiben als Form der Auseinandersetzung mit Geschichte.
Ein ruhiges, konzentriertes Gespräch über Literatur, Herkunft und die Kraft von Worten – direkt aus dem Trubel der Buchmesse.
https://mentoren-verlag.de/werke/wie-sehr-ich-dich-finde-das-buch/
Transkript anzeigen
00:00:01: Von Haiti reisen wir weiter, und zwar in die Vergangenheit, genauer gesagt ins Stuttgart des Jahres, twohundvierzig.
00:00:09: Die sechsjährige Helene wird gerettet und in die Schweiz gebracht, kurz darauf verschwinden ihre Eltern.
00:00:16: Als junge Opernsängerin heiratete Helene den Stuttgarter Medizinstudenten Paul, ohne allerdings zu wissen, wie eng dessen Familie mit ihrem eigenen Schicksal verknüpft ist.
00:00:27: Erst in der dritten Generation wird das ganze Ausmaß der Tragödie sichtbar.
00:00:32: Das soll als Cliffhänger erst einmal genügen.
00:00:34: Autorin dieses aufwählenden Romans ist Lea Söhner, die ich herzlich am Podium Rheinland-Pfalz willkommen heiße.
00:00:42: Erschienen ist, wie sehr ich dich finde, im Mentoren-Media-Verlag und zum Gespräch bitte der Verleger Volker Pietsch.
00:00:48: Viel VergnĂĽgen wĂĽnsche ich.
00:00:50: Danke schön.
00:00:51: Danke schön.
00:00:53: Lea, du hast da ein richtiges StĂĽck Buch geliefert.
00:00:57: Ganz genau.
00:00:58: Ich glaube, du kannst gar nicht kurz.
00:00:59: Nein.
00:01:02: Nein, das sind sogar drei.
00:01:03: Also es ist ja eine Trilogie, bei der man jedes Buch einzeln lesen kann.
00:01:09: Also man muss es auch nicht nacheinanderlesen.
00:01:12: Aber es sind drei.
00:01:13: Es ist einfach ein episches Familien-Homane.
00:01:18: Auch ein bisschen Drama, ne?
00:01:19: Drama, genau.
00:01:21: Es sind zwei Familien, die jeweils drei Generationen erzählt werden.
00:01:26: Die ersten zwei BĂĽcher und aus diesen beiden Familien kommen dann drei Halbschwestern und ĂĽber die geht dann das dritte Buch.
00:01:34: Das ist das erste, was jetzt rausgekommen ist.
00:01:36: Also das heißt, wer hier anfängt, weiß, dass er viel zu tun hat für die Zukunft,
00:01:40: wenn die Geschichte
00:01:41: packt.
00:01:41: Genau,
00:01:42: wenn ihn die Geschichte packt.
00:01:43: Aber die meisten, die jetzt so das gelesen haben, hat es schon gepackt.
00:01:49: Wenn es um Familiengeschichten geht, dann ist ja meistens immer das eigene Erleben drin, die eigene Geschichte, in der man vielleicht Dinge mitkriegt.
00:01:57: Wie viel ist autobiografisch?
00:02:01: Nichts.
00:02:03: Das ist eine ganz, ganz, ganz schnelle
00:02:05: Antwort.
00:02:05: Also wirklich, ich habe ja meinen BĂĽromann vielleicht im Himmel einmal, das ist im Silberburg Verlag, das ist sozusagen, da habe ich meine Familie in Geschichte verarbeitet.
00:02:17: Und hier, das habe ich alles erfunden, aber...
00:02:22: Ja,
00:02:23: ich zitiere jetzt unseren GroĂźmeister Goethe.
00:02:28: Der hat mal ĂĽber die Wahlverwandtschaften gesagt, er hat keine Silbe von dem, was er geschrieben hat, erlebt.
00:02:34: Aber es ist keine Silbe drin, die er nicht erlebt hat.
00:02:38: Also es ist ein Widerspruch in sich.
00:02:40: Man schreibt, die Geschichten, die da drin sind, habe ich nicht erlebt, keine Einzige.
00:02:46: Aber man schreibt trotzdem aus sich heraus, aus der GefĂĽhlswelt, die wir selber so kennen.
00:02:52: Das ist so eher das Unterschwellige, was man vielleicht selber nicht mal identifizieren kann.
00:02:57: Das kommt immer bei allen Autoren raus.
00:03:00: Stuttgart, Schweiz, aber das hat ja schon was mit dir zu tun.
00:03:04: Ich habe dreiĂźig Jahre in Stuttgart gelebt und zwanzig Jahre in der Schweiz.
00:03:09: So hat es natĂĽrlich schon sein Sinn.
00:03:11: Und das einfach, weil man sich gut auskennt.
00:03:13: Und deswegen ist es natĂĽrlich auch authentisch, ĂĽber Dinge zu schreiben, weil du einfach das aus eigener Beobachtung kennst.
00:03:19: Ich könnte jetzt keinen Roman über H.I.T.
00:03:22: schreiben, wie meine Vorrednerin, weil ich einfach noch nie in H.I.T.
00:03:26: war.
00:03:27: Wir haben ein bisschen zur Geschichte gehört.
00:03:30: Nimm uns mal ein bisschen mit, was passiert, was erwartet die Leser und Leserinnen.
00:03:34: Okay,
00:03:35: also vielleicht... fange ich bei der Struktur an, weil alle meine Romane sind so aufgebaut, dass jede Figur ein Kapitel kriegt.
00:03:45: Ein langes Kapitel, also sind praktisch acht Figuren ĂĽber drei Generationen verteilt und jedes Kapitel ist aus der Perspektive einer Figur und dann wird es in den Kapitel verwoben wie so ein Spinnennetz und dadurch entstehen also Mein allererstes Buch sind schon Figuren mit rĂĽbergewandert in dieses Buch und so wandern halt meine Figuren mal als Nebenfigur, mal als Hauptfigur immer mit.
00:04:15: Also es ist quasi episodisch aufgebaut.
00:04:19: Also eigentlich kann man sagen, das wäre ein fannenfertiges Netflix-Serie.
00:04:24: Okay, das ist doch schon mal eine schöne Botschaft, die wir
00:04:27: hier
00:04:28: raus sind.
00:04:28: Aber wenn ich Figuren höre, das ist ja bei uns im Verlagsalltag immer wieder Thema, weil die werden dann entwickelt.
00:04:34: Im Lektorat kommt dann manchmal noch irgendwie, das könnte man noch so und so machen.
00:04:39: Das heiĂźt, das sind ganz viele Figuren entwickelt worden.
00:04:42: Genau, ich habe jetzt echt in meinem Umfeld ziemlich ... Moment.
00:04:49: Das dritte Buch ist ja auch schon geschrieben und ich habe jetzt eine ganz schöne Großfamilie in meinem Kopf her.
00:04:55: Okay, das heiĂźt jetzt ist dieses Buch da ein wundervoller Roman.
00:05:00: und wie geht die Geschichte?
00:05:01: Nehmen wir uns ein bisschen in die Geschichte mit erst mal.
00:05:04: Also da ist die kleine Sarah mit sechs Jahren, wird von ihrem Vater in die Schweiz gebracht und das erste Kapitel geht ganz nur aus der Perspektive von dieser Entschuldigung.
00:05:18: Helene.
00:05:20: Sie wird zu einem Professorenfreund vom Vater gebracht und die Eltern verschwinden.
00:05:24: Und sie weiĂź nichts.
00:05:26: Der Professor hilft ihr dann zu einer Pflegefamilie in der Schweiz und da wächst sie auf.
00:05:33: Da ist sie relativ gut aufgehoben.
00:05:36: Aber sie ist sehr traumatisiert.
00:05:38: Sie leidet sehr, weil sie wirklich gar nichts von den Eltern hört.
00:05:43: Man weiĂź einfach nicht, wo sie sind.
00:05:48: Ihre Rettung verliert ihre Sprache, sie kann auch nicht mehr sprechen.
00:05:53: Und ihre Rettung ist dann, wo sie anfängt zu singen.
00:05:57: Und sie singt dann in einer kleinen Kirche im bernischen Oberland, tief protestantisch, singt sie ein jüdisches Lied und das löst dort auch einiges aus.
00:06:09: Und da kommt sie aber wieder zu sich und kommt durch den Gesang einfach.
00:06:16: findet so wieder ihren eigenen Frieden.
00:06:19: Und da hört es auf dieses Kapitel und geht weiter mit dem Paul, den sie danach heiratet.
00:06:27: Die weitere Geschichte geht aus sozusagen aus der Perspektive ihres späteren Manns.
00:06:31: Und so ist eigentlich auch ein Wechsel, der das ganze Buch letztendlich so funktioniert.
00:06:36: Genau, genau.
00:06:37: Es zeigt sich dann auch, wie die beiden sich finden aus der Perspektive von Paul, wie schwierig die Ehe wird mit diesen traumatisierten Mädchen eigentlich und dass sie eben nicht erzählt, dass sie ursprünglich aus Stuttgart kommt.
00:06:53: Das macht die Ehe sehr schwierig.
00:06:56: Und am Ende des Kapitels Paul wird dann schon das ganze Drama mit seinem Vater offenbar.
00:07:03: Und dann geht es weiter.
00:07:05: Ihr Kind, Wolfgang, wie verarbeitet er die Situation, heiratet er ganz dieser Wolfgang, heiratet der Frau, die gar nicht in dieses Milieu passt, wird auch die Geschichte von seiner Frau erzählt.
00:07:16: So wird alles zusammengesetzt in einem Textbaustein.
00:07:20: Man
00:07:20: merkt, es wird ein Drama und es wird auch etwas komplexer.
00:07:23: Genau,
00:07:23: ein komplexes Drama.
00:07:25: Man wird aber immer genau gefĂĽhrt, wo man gerade ist.
00:07:27: Man weiĂź immer, wo man gerade ist.
00:07:29: Und kennt auch schon Figuren, die dann in den Nebenrollen im anderen Kapitel spielen.
00:07:34: Wann hast du angefangen zu schreiben?
00:07:36: Zu schreiben überhaupt habe ich... Na ja, man hat ja irgendwann mal die Idee, man könnte schreiben und prokrastiniert dann ein paar Jahre.
00:07:49: Fertig war das erste Buch, zwei Tausend Siebzehn, wie gesagt, dann ist mein Mann gestorben.
00:07:54: Die Trauerfeier war gerade am Erscheinungsdatum des Buchs und dann habe ich fĂĽnf, sechs, sieben Jahre nicht mehr geschrieben, fĂĽnf Jahre und diesen Romanzyklus habe ich dann in einem Rutsch, in zwei Jahren.
00:08:07: Okay.
00:08:08: Jetzt alles schon fertig.
00:08:09: Dann war der Weg frei und Worte und Schreiben, das ist tatsächlich ... Ja, es ist dein Leben geworden, ne?
00:08:17: Ja, jetzt schon.
00:08:18: Und das habe ich, das Gefühl, jetzt bin ich schon etwas fortgeschritten im Alter und habe jetzt, wie so das Gefühl, jetzt bin ich erst da angekommen, wo eigentlich... Ja, wo es mir wirklich gefällt.
00:08:29: Es muss jetzt raus, ne?
00:08:31: Jetzt habe ich so das GefĂĽhl, jetzt bin ich wirklich reif zum Schreiben sprachlich, die Dinge auszuformulieren, zu schleifen und so lange, bis jede Silbe eingerastet ist, schon wenn man dann noch so streng ist, aber gute... Lektorin hat und macht es wirklich SpaĂź.
00:08:47: So gehört sich das, so wird Buch gemacht.
00:08:50: Und ich bin ein bisschen darauf aufmerksam geworden, weil ich kriege, dadurch machen wir mittlerweile zu viel, ich kriege gar nicht mehr alles mit und irgendwann ist ein Buch da und dann kriege ich die Geschichte mit.
00:09:01: und bei dir habe ich dann ja die glĂĽckliche FĂĽgung gehabt, dass ich dein Newsletter abonniert habe.
00:09:08: Ja, stimmt.
00:09:10: Ja, genau.
00:09:11: Also ich... Betreibe einen Newsletter wie viele Menschen, wie viele Autoren und wie viele Unternehmen.
00:09:18: Als bei mir ist es so, dass ich, der ist hauptsächlich inhaltlich, geht jeden Samstag um ein Wort.
00:09:26: Also es heißt Rundbrief, Worte wirken und es geht darum, jeden Samstag wird ein Wort neu erklärt.
00:09:34: Man sieht, ein Wort wird entweder etymologisch erklärt oder einfach ein ganz neues Sicht auf ein Wort.
00:09:40: Immer so ein bisschen mit Storytelling zu meinem Leben auch.
00:09:44: Um die zweitausend Zeichen jeden Samstag und kostet nichts.
00:09:49: Und ist ein schöner Impuls.
00:09:50: Kostenfrei und kalorienarm.
00:09:52: Nein, ich finde es ein schöner Impuls.
00:09:54: manchmal, wenn man dann sieht und sagt, okay, habe ich noch nie so gedacht und dann wird es so ein bisschen nach.
00:09:58: Deswegen, finde ich, kann man den immer wieder
00:10:00: empfehlen.
00:10:00: Immer so ein Aha-Erlebnis jeden Samstag.
00:10:02: Einfach auf deine Webseite gehen und abonnieren.
00:10:04: Exakt.
00:10:04: Genau.
00:10:05: Danke fĂĽr die Werbung.
00:10:06: Ja, gehört auch dazu.
00:10:07: Deswegen sind wir da.
00:10:09: Jetzt ist dieser Roman da.
00:10:10: Du hast gesagt, dein erstes Buch ist etwas unglĂĽcklich erschienen.
00:10:15: Ja, es ist jetzt aber einfach auch schon weilchen her.
00:10:19: Mein Mann hat mir wirklich geholfen bei meinem ersten Buch und danach hatte ich gedacht, ich kann nicht schreiben ohne ihn.
00:10:26: Aber es ging dann durch.
00:10:28: Es geht sogar sehr gut, möchte ich an dieser
00:10:29: Stelle.
00:10:31: Was ich gesehen habe, immer wenn wir gesprochen haben, warst du an schönen Orten.
00:10:36: Das heiĂźt, du bist jetzt viel unterwegs?
00:10:40: Ich bin eigentlich... Wenn wir es mal genau sagen, wĂĽrde ohne festen Wohnsitz, also neudeutsch, digitale Nomadin.
00:10:50: Also ich habe jetzt zeitlang in der Schweiz gelebt und jetzt lebe ich gerade auf dem Campingplatz im Dreiländereck.
00:10:56: Im Winter war ich auf den Argentinien.
00:10:58: Also ja, ich habe jetzt wirklich frei in meinem Leben.
00:11:03: Ich bin sehr frei.
00:11:04: Und was macht das, wenn man... Sag ich mal, so das Leben so ein bisschen ändert, ist das auch der Freiraum, um dann viel zu schreiben und viele Ideen zu sammeln?
00:11:15: Also ich lebe allein und ich bin sehr gern allein und durch das Reisen ist man sowieso eher allein.
00:11:22: Was fĂĽr mich fĂĽr mein Lebensweg gut ist jetzt und immer wieder aus dem Gewunden rauszugehen, das finde ich schon gut.
00:11:34: Also entsprechend.
00:11:36: Einfach zur Zeit meinem Leben.
00:11:40: Wenn du eine Empfehlung aussprechen solltest an Menschen, die dein Buch lesen sollen, fĂĽr wen ist es geschrieben?
00:11:48: Wen wĂĽnschst du dir, dass
00:11:49: es welche Menschen gibt?
00:11:50: Also tatsächlich, die Susanne Schulz, auch eine Autorin im Mentorenverlagen.
00:11:57: Das ist ein
00:11:58: Match, ne?
00:11:58: Das habe ich schon gesehen.
00:12:00: Das ist ein Social
00:12:00: Media Match.
00:12:01: Genau.
00:12:02: Und sie ist so ein bisschen jĂĽnger wie ich, aber so meine Generation.
00:12:05: Und wir haben gesagt, unsere Stimme ist die letzte Stimme von Kriegsenklingen.
00:12:11: Also wir haben den Krieg nicht mehr erlebt.
00:12:15: Unsere Eltern aber noch.
00:12:16: Und wir haben es noch im Blut.
00:12:17: Und sozusagen, wir sind die letzte Stimme, die quasi aus der Vergangenheit heraus spricht, wo wir, ich sage... Doch, ich sag schon, dass wir den Krieg im Blut haben.
00:12:28: Man kriegt es mit von den GroĂźeltern, von den Eltern.
00:12:31: Man kriegt die Geschichten mit.
00:12:33: Man kriegt auch die nichterzählten Geschichten mit.
00:12:36: Das ist eben die transgenerationalen Traumata.
00:12:41: Eigentlich schreibe ich fĂĽr Boomer Generation.
00:12:44: Bin selber eine Boomer Generation.
00:12:47: Aber es wird auch gerne von JĂĽngeren gelesen.
00:12:50: Das ist ein spannender Aspekt, denn ich glaube tatsächlich, dass wir das alle in uns tragen.
00:12:54: Also insbesondere unsere Generation.
00:12:58: Es gibt ja auch neue wissenschaftliche Ansätze, die sogar sagen, das geht noch viel weiter, dass wir dieses Trauma in uns tragen.
00:13:05: Aber es sind natürlich die letzten, die über Erlebnisse sprechen können.
00:13:08: Also ich kann das nur von mir zu Hause sagen, dass ich manchmal von meinen Eltern, die zum Glück noch beide leben, auf einmal Geschichten höre wo ich mal ganz kurz schlucken muss weil die waren irgendwie verborgen und kommen dann aus irgendeiner stelle auf einmal hoch.
00:13:24: und dann denke ich immer habe ich das jetzt gerade richtig gehört
00:13:27: und das erkenntnisinteresse bei mir beim schreiben ist schon
00:13:31: wie
00:13:32: wie lässt sich das psychologisch in den Figuren darstellen.
00:13:36: Also wie setzt sich das fort?
00:13:39: Welche Probleme hat die nachfolgende Generation aufgrund dessen, dass die erste Generation wirklich so tief traumatisiert ist?
00:13:46: Das heißt, wir sind dann, auch wenn es jetzt hier nicht autobiografisch ist, wir sind dann doch schon wieder ein bisschen in den familiären Strukturen, weil natürlich du hast Dinge gehört von deinen Eltern.
00:13:56: Genau.
00:13:57: Ich habe zum Teil Geschichten gehört von meinem Vater.
00:14:01: Erst als er Dement war.
00:14:04: Da hat er manchmal Sachen erzählt.
00:14:07: Die Kraft, das zurĂĽckzuhalten, hat nachgelassen, ne?
00:14:11: Genau.
00:14:13: Er hat dann sogar in seiner ganzen Demenz diese Geschichte erzählt.
00:14:17: Ich habe mir einen Kopf gelangt.
00:14:19: Und da hat er gesagt, weisch, in seinem ganzen Schwäbisch.
00:14:23: Wenn man sowas erlebt hat, muss man das abschneiden, sonst kann man nämlich weiterleben.
00:14:28: Und das war sein Leben.
00:14:29: Er hat es abgeschnitten als Kind, was er erlebt hat, um überhaupt weiterleben zu können.
00:14:35: Und ich bin ganz sicher, dass das in unsere Generation unterschwellig mitgegeben worden ist, so Angst und Schweigen.
00:14:43: Das nächste Buch heißt ja, das Haus der verschwiegenden Worte, da ist es genauso.
00:14:47: Wird einfach viel verschwiegen von der Elterngeneration.
00:14:51: Sehr viel zugedeckt, um einfach weiterzuleben.
00:14:55: Und er hat es in seiner ganzen Demenz verstanden, dass er das abschneiden musste.
00:15:01: Er hat es erst drei Jahre in der Nacht gewesen, als er mir erzählt hat, dass er mit vierzehn in Halbrunn die zusammengeschrumpften Leichen auflesen musste, die von der Bombennacht verbrannt sind und so klein zusammengeschmolzen waren.
00:15:16: Und im späteren Teil des Lebens muss man feststellen, man kann es nicht abschneiden.
00:15:19: Genau, aber er hat es abgeschnitten, um sein Leben zu leben und hat es dann in einer Demenz solche Sachen erzählt.
00:15:26: wo ich denke, ja, es berĂĽhrt mich immer noch.
00:15:29: Und ich glaube, das sind dann aber auch diese Erfahrungen, die Dinge, die man gehört hat aus der eigenen Familie, die letztendlich dann doch irgendein Weg finden in ein Buch.
00:15:39: Das ist das, was ich sagen wollte.
00:15:41: Die Geschichten, die die einzelnen Geschichten, wie sie aufgebaut sind, habe ich nicht so erlebt.
00:15:46: Ich bin noch nie gestorben, ich bin noch nie verlassen worden in diesem Sinn, aber ja, es lebt in einem und das kommt... Zwischen den Zeilen, zwischen den Buchstaben, in der ganzen Emotionalität auch wirklich raus.
00:16:00: Bei knapp sechshundert Seiten bist du eine disziplinierte Schreiberin?
00:16:03: Ja, bin ich.
00:16:04: Also ohne Disziplinär, ich bin absolut und diszipliniert, aber ich schreibe einfach, wenn ich Lust habe.
00:16:11: Ganz oft.
00:16:12: Band zwei, Band drei ist irgendwie...
00:16:14: Band drei ist fertig, Band zwei wird gerade lektoriert.
00:16:18: Band drei ist fertig geschrieben und kommt dann auch, wahrscheinlich im Herbst nächsten Jahres.
00:16:23: Und heute waren wir hier, um möglichst viele einzuladen, wie sehr ich dich finde zu lesen, die Geschichte zu erfahren und ich danke dir, dass du bei uns bist.
00:16:32: Danke,
00:16:32: dass ich die Möglichkeit hatte.
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