Trauma, Mut und Heilung: Antje Bricusse-Gerdes über „Der Würger von Frankfurt“
Shownotes
In dieser Episode des Mentoren Media Verlags Talks spricht Volker mit Antje Bricusse-Gerdes über ihr Buch „Der Würger von Frankfurt“. Im Zentrum des Gesprächs steht eine tief persönliche Geschichte: der gewaltsame Tod ihrer Mutter durch einen Serienmörder – und der lange Weg, mit diesem Trauma zu leben und daran zu wachsen.
Antje erzählt offen von den seelischen Folgen dieser Erfahrung, von Angst, innerer Zerrissenheit und dem Prozess, wieder Halt im eigenen Leben zu finden. Aus dieser Auseinandersetzung ist die TALK-Methode entstanden – ein Ansatz, der hilft, innere Trigger zu erkennen, Gedanken zu ordnen und neue Handlungsspielräume zu eröffnen.
Im Gespräch geht es um den Umgang mit traumatischen Erlebnissen, um Verantwortung für das eigene Erleben und um die Kraft von Sprache, Bewusstsein und Beziehung. Dabei verbindet die Folge persönliche Tiefe mit praktischen Impulsen für mehr innere Klarheit und Stabilität.
Eine intensive Episode über Verlust, Resilienz und die Möglichkeit, aus schwersten Erfahrungen einen neuen Weg zu entwickeln.
https://mentoren-verlag.de/werke/der-wuerger-von-frankfurt-das-buch/
Transkript anzeigen
00:00:03: Das nächste Buch ist wirklich harter Tobak, so viel kann ich schon mal verraten.
00:00:08: Der Würger von Frankfurt aus dem Mentoren-Media-Verlag, es ist der letzte Buchmessetag aus dem Mentoren-Media-Verlag, klingt vielleicht wie ein reißerischer True Crime-Titel, aber mit Nichten.
00:00:20: Vielmehr steckt dahinter die bewegende Geschichte einer Frau, deren Mutter Opfer eines Gewaltverbrechens wurde, als sie selbst noch ein Kind war.
00:00:28: Anche Bricus Gerdes erzählt ihre eigene Geschichte und stellt die von ihr entwickelte Talk-Methode vor, mit der sie zeigt, wie tiefsitzende Trigger erkannt werden, verstanden und aufgelöst.
00:00:40: Anche Bricus Gerdes ist Spiegerin für Deeskalation, Autorin und Online-Unternehmerin und zeigt Methoden für ein friedliches und erfolgreiches Berufs- und Privatleben.
00:00:51: Auf dem Podium Rheinland-Pfalz kommt sie ins Gespräch mit dem Verleger Volker Pietsch und ich wünsche viel Vergnügen.
00:00:57: Wir bringen True Crime mit am Sonntagvormittag hier auf die Buchmesse und wir werden gleich über die beiden Ebenen des Buches sprechen, aber wir sind auch ganz ehrlich, wir nutzen die Schlagzeile von damals, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
00:01:12: Ja, absolut, sehe ich genauso.
00:01:14: Und ich glaube, es ist auch notwendig.
00:01:16: und lass uns ein bisschen in deine Geschichte eintauchen, weil es ist eine relativ bittere Geschichte, weil... Eine schwere Kindheit, die dann noch mit diesem Gewalt verbrechen überlastet wird.
00:01:31: Ja, das ist tatsächlich schwer, weil...
00:01:34: Ich
00:01:34: habe ganz lange auch dieses Gefühl gehabt, einfach nicht dazuzugehören und ein Schattenkind zu sein und nicht richtig zu sein auf dieser Welt, weil wenn man so eine Geschichte hat, dann wird man von den Menschen auch ganz anders betrachtet.
00:01:49: und immer wenn man im Außen ist und das ist das, da krieg ich heute noch Gänsehaut, da fühlt man sich ziemlich allein.
00:01:54: und wenn man wirklich so fünf, sechs Jahre ist, man kann nicht lesen, man versteht nicht was da draußen ist, dann ... bist du einsam und egal wie viele Menschen um dich herum sind.
00:02:04: und das Thema Dysfunktionalität dahinter, ich meine meine Mutter war auch eine Prostituierte, das heißt Ich weiß natürlich, wie die Abgründe sind, wie schwer das Leben im Abgrund ist und wie schwer es da ist, auch wieder rauszukommen.
00:02:19: Und wie viel Fehler man macht, einfach weil man eine falsche Vorbildfunktion gelebt bekommt, weil man einfach nicht zu den anderen, zu den normalen gehört.
00:02:30: Und das ist wirklich hart.
00:02:34: Jetzt gehört hier dazu, das ist ja eine Familienstruktur, die ja gar nicht da war.
00:02:37: Das heißt, du bist aufgewachsen unter, sag ich mal, Ja, merkwürdigen Umständen.
00:02:42: Unter merkwürdigen Umständen mit merkwürdigen Menschen.
00:02:44: Also Alkoholika und solche Sachen.
00:02:47: Das war mein Tages... Also damit musste ich zurechtkommen, wenn Menschen betrunken sind.
00:02:53: Wie geht man damit um?
00:02:54: Wenn man so eine Unsicherheit hat, man weiß nicht, die spucken dich an, wenn sie zu laut reden und solche Geschichten.
00:02:59: Mein erster Babysitterjob hatte ich im Gefängnis.
00:03:02: Weil da einer der Menschen, die bei uns gelebt haben, ihren Mann besuchen wollte und ich auf den Sohn aufpassen sollte, während die da im Gefängnis sich mal alleine unterhalten wollten.
00:03:13: Und das sind natürlich Erfahrungen, wenn man die mit zehn, elf macht, sind die anders.
00:03:19: Das kann man nicht erzählen.
00:03:20: Du kannst es bei anderen Menschen nicht erzählen.
00:03:22: Wann hast du denn verstanden, was deine Mutter da macht?
00:03:25: Mit welchem Alter?
00:03:27: Tatsächlich relativ spät, weil natürlich wurde nicht darüber geredet.
00:03:31: Das kommt ja noch hinzu.
00:03:33: Es ist ja nicht nur so, dass deine Mutter umgebracht wurde.
00:03:36: Sie war eine Prostituierte, sie war geächtet.
00:03:38: Niemand wollte von ihr über sie reden, mit ihr reden.
00:03:41: Die Familie hat das totgeschwiegen.
00:03:43: Das heißt, ich habe das tatsächlich sehr viel später erst begriffen.
00:03:48: Einfach selbst als das Thema Sexualität bei mir auch ein Thema wurde, wo man einfach begriffen hat.
00:03:54: Das bei uns was anders war, das war schon ein Stigma auch.
00:03:58: Weil für mich war das nie ein normales Thema.
00:04:00: Ich konnte damit nicht normal groß werden.
00:04:02: Wir sind ja jetzt schon hier hinter der Geschichte eigentlich, weil du hast gerade das Stichwort gegeben, unter den Teppich gekehrt.
00:04:08: Das heißt, letztendlich war die Geschichte lange unter dem Teppich, bis eigentlich diese Arbeit an diesem Buch angefangen hat.
00:04:15: Nein, nicht ganz so lang, aber fast.
00:04:18: Wenn es mit der Recherche losgeht, wenn man anfängt, ich interessiere mich für das Thema.
00:04:21: Was ist da eigentlich passiert?
00:04:23: Ich schaue dann doch in die Zeitungsartikel.
00:04:25: Dann fängt es ja an, dass es hoch will.
00:04:27: Das war ein krasser, das war richtig krass.
00:04:30: Und jetzt hier auch in Frankfurt, wo ich heute noch zu meiner Tochter gesagt habe, ich weiß gar nicht, ob wir zu der Autobahnabfahrt, wo sie entsorgt wurde.
00:04:38: Das war so der krasseste Artikel.
00:04:40: Der Mörder entsorgt.
00:04:42: Meine Mutter beim Rausfahren auf der A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-.
00:04:53: Tötete aus Hass und dann waren da Bild-Zitate, die man immer wieder hört.
00:04:59: Der war getriggert, weil er Frauen hast und deswegen musste halt meine Mutter sterben.
00:05:04: Was von Verhältnis hattest du zu deiner Mutter?
00:05:06: Wie hast du sie erlebt?
00:05:07: Hast du sie überhaupt richtig erlebt?
00:05:09: Nein.
00:05:11: Ich hab sie nicht wirklich, also was heißt wirklich?
00:05:13: Ich hab nicht viele Erinnerungen, eigentlich sogar nur ein oder zwei, weil sie ist ja abgehauen, als ich schon drei Jahre alt gewesen bin.
00:05:20: Aber man hat natürlich nie darüber geredet.
00:05:22: Was ja schon reicht eigentlich.
00:05:24: Für die meisten würde das reichen.
00:05:25: Warum haut meine Mutter ab?
00:05:26: Warum lässt sie mich alleine zurück?
00:05:29: Ja, und als sie umgebracht wurde, hatte man auch keine Antwort mehr bekommen.
00:05:32: Das war ja auch so etwas.
00:05:34: Da ist dann so ein Loch entstanden, wo du wirklich einfach überhaupt nicht mehr weißt, okay, Was ist da jetzt?
00:05:41: Will sie wiederkommen?
00:05:42: Da sind Hoffnungen auf der einen Seite, dass du glaubst, ja, sie wäre ja wiedergekommen.
00:05:47: Und dann kriegst du diese Artikel zu lesen und dann sagst du, nein, sie wäre nie wiedergekommen.
00:05:51: Das ist ein bitterer Moment, oder?
00:05:53: Das war krass.
00:05:54: Das war das erste Mal, ich musste, ich hab diesen Briefumschlag von dem Verlag bekommen, der mir das zugeschickt hat.
00:05:59: Ich hab das wieder reingetan und hab gesagt, kannst du jetzt nicht hingucken, kannst nicht gucken.
00:06:02: Ist jetzt viel zu viel.
00:06:03: Du hast das ja geglaubt durchaus, dass ich vielleicht noch mal wiederkomme.
00:06:07: Wer
00:06:07: will das nicht?
00:06:08: Wer
00:06:09: will das
00:06:10: nicht?
00:06:10: Wir gehen nochmal ganz kurz in deine Kindheit.
00:06:11: Du hast wirklich alles, was man an schlechten Erfahrungen machen kann, mitgenommen.
00:06:16: Du warst im Kinderheim auch unter merkwürdigen Umständen, auch in einer Zeit, die es heute hoffentlich nicht mehr gibt, mit Pädagogik, die
00:06:25: grenzwertig war.
00:06:27: Also du hast mir so eine Stelle mal erzählt, dass wenn du zu spät wieder zurückkamst.
00:06:33: dass es so ein bisschen wie in einem schlechten Film war, wie er dich da in Empfang genommen hat.
00:06:37: Ja,
00:06:37: ich durfte nicht um fünf, wenn ich, ich war immer schon zu spät, es tut mir einfach leid, aber wenn ich um neun Uhr fünf um am Kinderheim, da war so eine große Forte und da musste ich da anklopfen und dann kam der Typ, der das da abgeschlossen hat und der hatte so einen Hinkelfuß und der kam dann immer und ging da, du bist schon wieder zu spät und dann schrie er immer, wenn ich die Treppe in die Gruppe gelaufen bin, ja, es war wie Grosselda, oder wie heißt der Film?
00:07:01: Cosimo!
00:07:02: Cosimo!
00:07:04: Im Prinzip schon wie so in einem schlechten Film.
00:07:06: Ja, absolut!
00:07:09: Als wir das erste Mal gesprochen haben, da habe ich echt ein bisschen gezuckt, weil du hast da wirklich ziemlich harte Worte in den Mund genommen, dass im Prinzip, ich versuche es jetzt mit meinen eigenen Worten wiederzugeben, aber es war im Prinzip, du hast gesagt, ihr wart die Asozialen im Ort, ne?
00:07:24: Ja.
00:07:26: Und
00:07:26: das ist auch das Gefühl, was so hängen geblieben ist, ne?
00:07:29: Ich habe mich lange als asozial empfunden.
00:07:32: Selbst zu Hause kein Geld, keine Mutter, keiner, der dich da versorgt hat.
00:07:37: Meine Mutter hat das ganze Geld auch noch verprasst.
00:07:40: Geld mit Liebe kaufen ist dann ein Riesenthema, was da drunter ist.
00:07:44: Liebe mit Geld kaufen, sorry.
00:07:46: Aber das Ding ist halt im Kinderheim, warst du auch wieder so ein Asi.
00:07:49: Du warst immer irgendwie am Rande der Gesellschaft.
00:07:52: Und deswegen sage ich ja ganz lange, ich war ein Schattenkind.
00:07:55: Man wollte mich nicht, ich wollte auch nicht gesehen werden.
00:07:58: auch Angst, diese Dinge zu sagen.
00:08:00: Ganz, ganz lange hat man mir gesagt, ich lüge.
00:08:03: Das heißt, wenn ich erzählt habe, dass ich im Kinderheim war, dass meine Mutter umgebracht wurde, dass das ein Serienkiller war, dann haben wir alle gesagt, nee, nee, geh weg, das stimmt nicht.
00:08:11: Und dann hast du einfach geschwiegen, dann warst du einfach ruhig, da hast du gedacht, nee.
00:08:15: Reda gar nicht drüber.
00:08:16: Am besten ist, du sagst nie was.
00:08:17: Und dann hat mir dieses Wort dysfunktionale Familienverhältnisse.
00:08:21: Das hat mich geschützt.
00:08:22: Wenn mich jemand gefragt hat, wie ist das denn mit deiner Mama, mach Reden noch nicht drüber.
00:08:25: Dysfunktionale Familienverhältnisse.
00:08:27: Und es fragt doch keiner nach.
00:08:29: Es fragt niemand nach.
00:08:31: Das Schlimme im Leben ist ja, wir können Sachen lange verbergen, wir können sie lange in irgendwelche Schubladen stecken.
00:08:37: und ich glaube, du hast dann einfach auch einen beruflichen Weg gemacht und der hat funktioniert und du hast gearbeitet.
00:08:42: Ich glaube, du hast auch viel gearbeitet, um einfach Dinge zuzuschütten, aber es kommt dann irgendwann der Moment, wo man sagt, ich kann eigentlich so nicht leben.
00:08:52: Ja, das fing, also auch das geht in Stufen aus meiner Sicht.
00:08:56: In der ersten Instanz ist der Mörder ja entlassen worden, um seine, sagen wir mal, auf Freigang.
00:09:01: Also der Mörder ist ja freigesprochen worden in der ersten Instanz.
00:09:04: Das muss man ja einfach mal sagen.
00:09:06: Der ist ja freigesprochen worden, weil er zu Zeiten der Tat einfach seine Steuerungsfähigkeit nicht unter Kontrolle hatte.
00:09:13: Das heißt also, der ist eigentlich zwei in die Psychiatrie eingeliefert worden, aber der war nicht, der ist erst mal freigesprochen worden.
00:09:22: Und die Welt ist ein Dorf.
00:09:25: Und in der Nacht wurde er zum Freigang entlassen, um seine Mutter zu besuchen.
00:09:32: Und er besucht seine Mutter und steigt in Soost und da habe ich meine Ausbildung gemacht, ich komme aus Nordrhein-Westfalen.
00:09:37: Er steigt in Soost aus, geht zum Bahnhof Skiosk, holt sich eine Flasche Bier, steigt wieder in den Zug und will wieder jemand umbringen.
00:09:45: Ich habe fünfhundert Meter weiter gearbeitet und da kriegst du natürlich eine Irre.
00:09:51: Wut auch gegenüber, dass er natürlich erst mal seine Mutter besuchen durfte.
00:09:55: Ich war damals noch nicht so reflektiert wie heute.
00:09:58: Aber damals war ich natürlich erst mal voll brassig.
00:10:00: Ich habe gesagt, ich kann es sein, dass der jetzt raus kann, der kann seine Mutter besuchen.
00:10:04: Und du hast überhaupt noch nicht mal eine Chance zum Muttertag, irgendwie deine Mutter zu sehen.
00:10:08: Und dann geht er und kommt wieder.
00:10:10: Ja,
00:10:10: die steht plötzlich vor dir.
00:10:12: Das war Gott sei Dank nicht so.
00:10:13: Ja, aber die Möglichkeit wäre ja gewesen.
00:10:15: Ja, ja.
00:10:15: Und ich finde, Kopfkino geht hier dann auch los, oder?
00:10:18: Ja,
00:10:18: ja, absolut.
00:10:19: Und dann kriegt er wirklich... da auch ein Bericht und dann wird in dieser Zeitung geschrieben, dass er im Grunde genommen eine ganz arme Seele ist und dass es ganz schlimm ist und dass er natürlich fast gar nichts anderes konnte aufgrund seiner dysfunktionalen Familienverhältnisse, dass er deswegen nichts anderes konnte als ein Serienkiller zu werden.
00:10:37: Und du denkst, das sind suboptimale Strategien.
00:10:39: Wie kann das honoriert werden?
00:10:41: Wie kann es sein, dass andere Menschen da nicht gesehen werden?
00:10:45: Also die ganzen Opfer der Opfer, ich meine, das sind vier Frauen gewesen.
00:10:49: Mutter gewesen, sondern da sind ja noch, da ist ja eine fünfzehnjährige Schülerin umgebracht worden.
00:10:54: Die war einfach am falschen Ordnung, weil seine verlobte Schluss gemacht hat, ist er und hat sie umgebracht, stellvertretend dafür.
00:11:01: Das heißt, da sind ganz viele Schicksale auch danach, die gekommen sind, die Familien, ich weiß ja nicht, wie die mit der Trauer umgegangen sind.
00:11:08: Das war schon krass, ja.
00:11:10: Der Täter lebt noch.
00:11:12: Hast du mit ihm mal persönlich gesprochen?
00:11:15: Nein, ich habe auch gar kein Bedürfnis.
00:11:17: Deswegen ist ja das Buch auch dein Stand, weil lasst den anderen leben.
00:11:21: Und die Zeitung, die das geschrieben hat, heute im Nachgang betrachtet, die hat ja nicht ganz unrecht.
00:11:27: Auf Strategieebene hat er total versagt.
00:11:30: Aber natürlich hatte er eine echt bescheidene Kindheit.
00:11:33: Und natürlich ist er mit seiner Sexualität nicht zurechtgekommen.
00:11:37: Und natürlich hatte er viele Trigger, die dazu geführt haben, dass er eskaliert ist.
00:11:42: Und deswegen ist ja auch die Sache, die mich angetrieben hat, ist viel eher, warum eskalieren die einen?
00:11:47: Warum nehmen die so eine Scheißstrategie?
00:11:49: Ich sage das mal ganz auf gut Deutsch.
00:11:51: Und warum kriegen das andere besser hin?
00:11:53: Das ist ja das, weshalb ich überhaupt gedacht habe, dass es muss einen anderen Weg geben.
00:11:58: Und das muss rechtzeitig erkannt werden.
00:11:59: werden.
00:11:59: Aus der Betriebswirtschaft weiß ich, kleine Probleme sind mal klein gewesen, bevor sie groß geworden sind.
00:12:06: Und das ist jetzt auch das Stichwort bescheidene Kindheit.
00:12:08: Du hast ja auch eine bescheidene Kindheit, wie wir gerade gehört haben.
00:12:11: Und es gibt immer die Option auch etwas draus zu machen, sich mit der Sache auseinanderzusetzen.
00:12:16: Und das hast du gemacht.
00:12:17: und jetzt deine Tochter ist mit dabei.
00:12:19: Aber ich kann mir vorstellen, dass, wenn man all diese Sachen rausholt, dass man auch in der Familie und im Umfeld also nicht nur Applaus und Begeisterung bekommt.
00:12:29: Absolut nicht.
00:12:30: Also wir haben ja eine Familie in Belgien, die versteht das vielleicht auch nicht ganz alles, was wir so erzählen.
00:12:36: Die sind uns sehr wohlgesonnen auf der deutschen Seite.
00:12:39: Ja, das stimmt.
00:12:40: Und da ist wieder dieses Thema, wie reflektiert geht man mit dieser Geschichte um?
00:12:44: Wie sehr ist es ein Tabuthema immer noch?
00:12:47: Und da bin ich ziemlich sicher, dass einige da überhaupt nicht drüber reden wollen.
00:12:51: Die sagen Vergangenheit ist Vergangenheit.
00:12:52: Da will ich nicht drüber reden.
00:12:53: Das will ich nicht hören.
00:12:54: Da will ich nicht hingucken.
00:12:55: Das ist vorbei.
00:12:56: Aber ich glaube, es ist nicht vorbei, wenn wir uns nicht drum kümmern.
00:12:59: Ich glaube, solange man nicht richtig hingeguckt hat und viele Dinge verstanden hat und auch wirklich... Ja, ich glaube, du bist jetzt in der Situation, dass du auch mit diesen Dingen, die dort passiert sind, irgendwie im Einklang bist, dass du weiterleben kannst.
00:13:12: Das heißt nicht, dass es gut war, aber du kannst damit jetzt gut weiterleben.
00:13:16: Im Gegenteil, ich glaube sogar, dass es gut war, weil... All die Dinge, die ich gelöst haben, es geben mir ja Stärke.
00:13:24: Und ich habe einfach viel mehr Dinge lösen müssen als andere.
00:13:27: Also ich habe viel mehr trainiert, in meine eigene Resilienz zu kommen.
00:13:32: Diese Möglichkeit hätte ich nie gehabt, wenn ich normal aufgewachsen wäre.
00:13:35: Dann hätte ich vielleicht vorher schon Selbstvertrauen bekommen über vielleicht Familie, aber ich habe halt Selbstvertrauen bekommen, weil ich denke, ich komme auf jeden Scheiß klar.
00:13:43: Mir kann nicht mehr wirklich was passieren.
00:13:45: Die Welt für mich ist immer im Rhein.
00:13:47: Ja, es gibt immer Dinge, du kriegst immer Einschläge.
00:13:50: in die Fresse vom Leben Shit, Herr Pinzler.
00:13:52: Das machen wir uns ja nichts vor.
00:13:53: Es passieren da Dinge draußen, die sind nicht immer cool, aber darauf klarzukommen und zwar relativ schnell wieder in Frieden mit sich zu kommen.
00:14:01: Das habe ich gelernt und das hätte ich nie gelernt, wenn ich nicht so viele Baustellen hätte abarbeiten müssen.
00:14:06: Und das ist eine der maßgeblichen Botschaften auch dieses Buches, du, die perfekt jetzt formuliert hast, die hier mit rausgehen soll und vielleicht etwas auf das wir auch noch eingehen sollen.
00:14:16: Es heißt der Bürger von Frankfurt.
00:14:18: Es steht immer der Täter im Vordergrund.
00:14:21: Und natürlich machen wir das auch als Verlag, weil es ist eine plakative Schlagzeile.
00:14:26: Viele kennen sie vielleicht noch, haben sie damals wahrgenommen.
00:14:30: Aber es geht letztendlich auch darum, zu schauen, dass die Opfer eine Sichtbarkeit bekommen und dass man hilft Menschen, die in Situationen sind, in ein gutes Leben zu kommen.
00:14:41: Ja.
00:14:43: auch dass man rechtzeitig anfängt, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
00:14:48: Weil ich glaube, wir, auch gerade in unserer heutigen Gesellschaft, wir kehren viel zu viel unter dem Teppich.
00:14:54: Wir reden nicht darüber, ob ich das in Firmenkontexten mitbekomme.
00:14:57: Das wird aus Harmoniegründen, wird geschwiegen.
00:15:00: Ob das auch im privaten Bereich ist, dann sagt man, lass mal fünf gerade sein oder sowas.
00:15:05: Und ich weiß gar nicht, ob ich es sagen darf, aber... Okay, ich habe gerade die Zustimmung bekommen.
00:15:15: Mein erster Mann hat sich auch umgebracht und meine Tochter hat dadurch eine echt schlimme Phase in Berlin durchmachen müssen mit viel Drogen und all diesen ganzen Kram, also wirklich mit allem Scheiß, der daran zusammenhängt.
00:15:28: und dann haben wir uns zwölf Jahre, zwölf Jahre nicht gesehen.
00:15:31: und als wir uns wieder gesehen haben, war es Erst mal.
00:15:35: natürlich haben wir diese ganzen alten Muster im Kopf gehabt.
00:15:38: Ich, dass diese ganze Kriminalität, die dahinter sitzt, sie natürlich auch, was sie mit sechzehn, siebzehn, da war sie ja einfach noch viel zu jung, als es passiert ist, dass sie dann einfach auch nicht wusste, wie sie damit umzugehen hat.
00:15:51: Und bei mir natürlich, ich war Frustabladeplatz und wir haben uns natürlich gezopft, wie die Hänke.
00:15:59: Es war schon relativ krass.
00:16:01: Also wir hatten ein neues Haus gebaut und die Tür in Walleris Zimmer.
00:16:04: der Tochter war, dass die einzige Tür, die kaputt war, weil sie die so oft aus Wut zusammengeschmissen hat.
00:16:11: Und dann sind wir wieder nach zwölf Jahren zusammengekommen.
00:16:15: Und dann triggert dich ja auch manchmal was.
00:16:17: Dann siehst du Dinge, die du vorher gesehen hast.
00:16:19: Und dann geht dieser ganze Film in dir ab.
00:16:22: Und du denkst, jetzt fängt es schon wieder an.
00:16:23: Und wir haben eine Sache gemacht.
00:16:25: Und das ist so das, wo ich immer denke, das ist richtig cool gewesen.
00:16:28: Wir haben eine Sache gesagt, beim nächsten Mal wird es besser.
00:16:31: Ganz egal, wie scheiße wir uns gerade wieder verhalten haben.
00:16:34: Ganz egal, wie wir gerade wieder miteinander geredet haben.
00:16:37: Ob wir uns angezickt haben oder nicht, beim nächsten Mal wird es besser.
00:16:41: Und es hat dann halt nur noch ein paar Monate gedauert.
00:16:44: Und jetzt können wir über alles reden.
00:16:46: Und das ist so eine Dankbarkeit, die ich habe.
00:16:48: Das hätte ich nicht gehabt, wenn ich mich nicht mit diesen Themen auseinandergesetzt hätte.
00:16:53: Wenn ich nicht gesagt habe, wir müssen darüber reden.
00:16:55: Egal wie unangenehm uns das gerade ist, egal wie weh uns das in diesem Moment tut, wir müssen darüber reden.
00:17:02: Der Würger von Frankfurt, wenn du jetzt überlegst, wer sollte es gelesen haben?
00:17:07: Was würdest du dir wünschen?
00:17:08: Welche Menschen möchtest du erreichen?
00:17:10: Leute, die mit... die Resilienz brauchen.
00:17:14: Leute, die mit diesen einfachen Dingen, weil die Methode, die ich da habe, ist ja nicht nur, dass man Riesenbaustellen wie Drogensucht oder Insolvenzen oder solche Dinge damit klarkommt, sondern wir müssen eigentlich alle, die mehr Resilienz brauchen im Leben, um daraus zu bestehen.
00:17:32: Alle, die irgendwie ein bisschen... in sich selbst ruhen wollen, die Frieden mit sich selbst haben wollen, weil wenn du Frieden mit dir hast, bist du nicht auf Krawall gebürstet.
00:17:41: Wenn du Frieden mit dir hast, musst du das nicht im Außensuchen.
00:17:44: Dann bist du bei dir klar und dann hast du weniger Trouble, weniger Energieverlust.
00:17:49: Du kommst einfach in deine Kraft.
00:17:51: Das heißt, ich brauche nicht diese Schicksalsschläge, die du erlebt hast.
00:17:55: Manchmal triggern uns ja schon viel kleinere Dinge und auch da sind in diesem Buch Methoden drin, wie ich das in Griff kriegen kann und vielleicht gar nicht Dinge groß eskalieren.
00:18:03: Danke, dass du das noch mal gesagt hast.
00:18:05: Weil das ist immer, wenn ich gefragt werde, verliere ich manchmal den Fokus.
00:18:10: Wir alle leiden zu hundert Prozent, egal was da draußen ist.
00:18:14: Und das heißt auch, jeder hat mit einem eigenen Schmerz klarzukommen.
00:18:18: Und darum geht es.
00:18:19: Und das muss nicht irgendwelches Horrors-Torys sein, sondern das sind auch die kleinen Dinge.
00:18:24: Wenn die Tante mich ansiegt, warum ist das?
00:18:27: Was hat das mit mir zu tun, den eigenen Teil der Verantwortung zu finden?
00:18:31: Darum geht es.
00:18:32: Und immer hinschauen, ne?
00:18:33: Und immer hinschauen.
00:18:34: Also,
00:18:35: wenn es manchmal schwer fällt, ich glaube, du bist ein gutes Beispiel, wenn man so viele unangenehme Dinge über seine Vergangenheit lesen muss und dann vielleicht auch noch gegen die Familie kämpfen muss, wenn man sich damit beschäftigen will, das ist schon eine Aufgabe.
00:18:46: Danke, dass du dieses Buch geschrieben hast.
00:18:48: Danke, dass du bei uns bist.
00:18:49: Du bist auch gleich noch bei uns beim Stand des Mentoren-Media-Verlags hier in der Halle.
00:18:54: Drei, eins, F, einhundert, sechs.
00:18:57: Und natürlich auch gleich hier gibt es das Buch von dir.
00:19:00: Danke, dass du bei uns bist.
00:19:01: Vielen lieben Dank fürs
00:19:17: Interview.
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